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Der Arzt oder das Pflegepersonal führt verschiedene Tests durch, um die gegenwärtigen Symptome deuten zu können. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Diagnostik.

Die im letzten Abschnitt aufgeführten Symptome können durch verschiedene Krankheiten verursacht werden und nicht nur durch BPE. Aus diesem Grund sind eventuell mehrere Tests erforderlich, bevor der Arzt eine Diagnose stellen kann.

Als erstes nimmt der Arzt oder das Pflegepersonal die Krankengeschichte des Patienten auf und führt eine körperliche Untersuchung durch. Bei Bedarf werden Urin- und Bluttests, Aufnahmen von Blase und Prostata und andere Untersuchungen durchgeführt.

Krankengeschichte

Der Arzt nimmt die Krankengeschichte des Erkrankten auf und stellt Fragen über die gegenwärtigen Symptome. Der Erkrankte kann seinem Arzt helfen, indem er sich auf die Konsultation folgendermaßen vorbereitet:

  • Erstellen einer Liste aller bisherigen chirurgischen Verfahren
  • Erstellen einer Liste über die Einnahme von Medikamenten
  • Erwähnen von anderen Krankheiten, an denen der Erkrankte leidet
  • Beschreibung des Lebensstils (Sport, Rauchen, Alkoholkonsum und Ernährung)
  • Beschreibung der gegenwärtigen Symptome
  • Angaben zum Zeitpunkt an dem die Symptome aufgetreten sind

Der Arzt kann Sie bitten, einen Fragebogen auszufüllen, um Angaben über die aktuellen Symptome, die Häufigkeit ihres Auftretens und die Auswirkung auf die Lebensqualität zu erhalten. Mehrere Fragebögen stehen zur Verfügung, einschließlich IPSS, ICIQ Male LUTS und DAN-PSS. Der am häufigsten verwendete Fragebogen ist der Internationale Prostatasymptomenscore (IPSS). Er besteht aus sieben Fragen über die Symptome, die mit Werten zwischen 0 und 5, von leicht bis schwer, bewertet werden können.

Körperliche Untersuchung

Der Arzt oder das Pflegepersonal führt eine körperliche Untersuchung durch. Es wird Folgendes untersucht:

  • Blasendehnung (wenn nicht vollständig entleert, kann sich die Blase ausdehnen)
  • Schädigung der Haut an Penis und Hodensack (ein Zeichen für Inkontinenz)
  • Ausfluss aus der Harnröhre (ein Zeichen für eine Infektion)
  • Anomalien des Penis, Hodensacks und der Hoden

Des Weiteren wird der Arzt eine digitale Untersuchung des Rektums durchführen. Während der Rektaluntersuchung tastet der Arzt die Prostata mit dem Finger ab, um ihre Größe, Form und Konsistenz zu erfassen. Dieser Test ist als digitale Untersuchung des Rektums (DRE) bekannt.

Abb. 1: Digitale Untersuchung des Rektums zur Erfassung von Größe, Form und Konsistenz der Prostata.
Abb. 1: Digitale Untersuchung des Rektums zur Erfassung von Größe, Form und Konsistenz der Prostata.

Aufzeichnungen zum Zustand der Harnblase

Ein Arzt kann das Führen eines Blasentagebuchs empfehlen. Darin kann täglich die Trinkmenge, Häufigkeit des Urinierens sowie die ausgeschiedene Menge von Urin notiert werden. Das Blasentagebuch ist wichtig, da es dem Arzt bei der Deutung der Symptome helfen kann.

Die Messung der Urinmenge kann mithilfe eines Messbechers ganz einfach vom Erkrankten selbst durchgeführt werden. Mit einer Stoppuhr kann die Zeit gemessen werden, die für das Urinieren benötigt wurde. Die Menge des Urins sollte in Millilitern, und die Zeit, die für das Urinieren benötigt wurde, in Sekunden notiert werden (Abb. 2).

Abb. 2: Messung des Harndurchflusses durch den Patienten.
Abb. 2: Messung des Harndurchflusses durch den Patienten.

Urintest

Für einen Urintest ist eine Urinprobe des Erkrankten erforderlich. Der Test wird zeigen, ob eine Harnwegsinfektion vorhanden ist und ob sich Spuren von Blut im Urin nachweisen lassen.

Uroflowmetrie

Dies ist ein einfacher Test, der den Harnstrom elektronisch misst. Er wird schnell und diskret im Krankenhaus oder in der Klinik durchgeführt. Dabei wird in einen Becher uriniert, der als Uroflowmeter bezeichnet wird (Abb. 3). Dieser Test hilft dem Arzt bei der Überprüfung, ob die vergrößerte Prostata eine Blockade der unteren Harnwege verursacht.

Die Messung des Harnstroms wird zeigen, ob dieser im normalen Bereich liegt.

  • Ein normaler Harnstrom liegt bei über 15 Millilitern pro Sekunde
  • Wenn der Harnstrom 10 Milliliter pro Sekunde oder weniger beträgt und Symptome vorliegen, sollte ein Urologe aufgesucht werden.

Die Messung durch den Erkrankten ist nicht so exakt, wie die im Krankenhaus oder in der Klinik. Fragen Sie Ihren Arzt nach Ihrem Harnstrom.

Abb. 3: Typischer Uroflowmetrie-Gerät.
Abb. 3: Typischer Uroflowmetrie-Gerät.

Blutuntersuchung

Im Rahmen der Diagnose wird der Arzt eine Blutuntersuchung durchführen, um die Nierenfunktion zu testen. Der Arzt kann ebenfalls überprüfen wollen, ob ein erhöhter Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) erkennbar ist. PSA ist ein Protein, das von der Prostata produziert wird. Eine benigne Prostatavergrößerung, eine Entzündung der Prostata oder Prostatakrebs können seine Produktion erhöhen. Der Arzt wird die möglichen Auswirkungen dieses Tests erklären, bevor er eine Empfehlung ausspricht.

Bildgebung der Harnwege

Es wird eine Sonographie durchgeführt, auch bekannt als Ultraschall, bei der durch Hochfrequenzschall ein Bild der Blase und der Prostata erstellt wird.

Der Arzt oder das Pflegepersonal untersucht die Harnblase mittels Ultraschall, um zu überprüfen, wie viel Resturin nach dem Urinieren in der Blase verbleibt. Anhand dieser Informationen kann festgestellt werden, ob die Symptome durch chronischen Harnverhalt verursacht werden, was auf eine Komplikation der BPE hindeuten kann.

Mittels Ultraschall kann auch das Prostatavolumen gemessen werden. Diese Informationen können zur Auswahl der geeigneten Behandlungsmöglichkeit dienen.

Urodynamische Untersuchung

Eine urodynamische Untersuchung wird vorgenommen, um weitere Informationen über den Harnzyklus und die Blasenmuskulatur zu sammeln. Bei diesem Verfahren werden Katheter in Harnröhre und Rektum platziert, um den Druck in der Harnblase und im Unterleib zu messen.

Mithilfe des Katheters wird die Blase durch die Harnröhre langsam mit sterilem Wasser gefüllt. Auf diese Weise wird die Füllung der Blase mit Urin simuliert. Wenn die Blase voll ist, wird der Patient in einen Uroflowmeter urinieren.

Die Testergebnisse werden auf einem Bildschirm angezeigt, der mit dem Katheter verbunden ist. Manchmal muss dieser Test wiederholt werden, um genaue Ergebnisse zu erzielen. Dafür wird der bereits vorhandene Katheter erneut verwendet.

Ein Arzt kann sich für diese Art von Untersuchung entscheiden, wenn der Erkrankte:

  • unter neurologischen Funktionsstörungen leidet;
  • bereits Operationen an Becken oder Prostata hatte;
  • eine hohe Menge von Restharn nach dem Urinieren in der Blase aufweist;
  • in einer Altersgruppe ist, für die BPE ungewöhnlich ist;
  • oder wenn der Urologe weitere Informationen zur Deutung der Symptome benötigt
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