Hodenkrebs

Was ist Hodenkrebs?

Die Hoden (auch als „Testes” bezeichnet) sind ein Teil des männlichen Fortpflanzungsapparates (Abb. 1). Sie befinden sich im Hodensack (Skrotum) — dem Beutel aus Haut, der unter dem Penis hängt. Die Hoden produzieren Testosteron und Samen.

Als Hodenkrebs wird ein Tumor bezeichnet, der sich im Hoden entwickelt (Abb. 2) und sich manchmal auch auf andere Teile des Körpers ausbreiten kann (Abb. 3). Es gibt zwei Hauptvarianten von Hodentumoren:

  • Seminome können bei Männern jeden Alters wachsen, sind aber weniger aggressiv.
  • Nichtseminome betreffen für gewöhnlich jüngere Männer und sind mit einem höheren Risiko verbunden, sich schnell zu vermehren und auszubreiten.

Risikofaktoren für Hodenkrebs

  • Alter zwischen 18 und 35 Jahren
  • Hodenhochstand (Kryptorchismus) in der Vergangenheit oder in der Gegenwart
  • Harnröhrenmündung an der Unterseite des Penis statt an der Spitze (Hypospadie)
  • Geringe Spermienproduktion, die es erschweren, eine Partnerin zu schwängern
  • Abnorme Hodenentwicklung
  • Familiäre Vorgeschichte (Vater oder Bruder hat Hodenkrebs)
  • Weiße Rasse

Welche Symptome treten auf?

Wenn ein Hodenkrebs wächst, kann ein Klumpen oder eine Schwellung in einem Teil eines Hodens zu tasten sein (Abb. 2). Dies ist das häufigste Symptom. Sie können einen Schmerz in einem Hoden oder im Hodensack verspüren, aber Hodenkrebs ist für gewöhnlich nicht schmerzhaft

Abb. 1: Die Hoden.
Abb. 1: Die Hoden.
Abb. 2: Tumor im Hoden.
Abb. 2: Tumor im Hoden.
Abb.3: Metastasierung.
Abb.3: Metastasierung.

Wie wird Hodenkrebs diagnostiziert?

Ihr Arzt wird Sie körperlich untersuchen und Sie über Ihre Krankengeschichte befragen. Abhängig von Ihren Symptomen und Risikofaktoren können Blut- und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden, um Sie auf Hodenkrebs zu testen.

Wenn sich der Hodenkrebs auf andere Teile des Körpers ausgebreitet, also Metastasen gebildet hat, können Sie dumpfe Schmerzen verspüren oder Klumpen in anderen Bereichen ertasten.

Merke: Die meisten Klumpen sind kein Krebs!
Trotzdem ist es wichtig, sofort Ihren Arzt aufzusuchen, wenn Sie eines dieser Symptome bemerken. Je früher ein Hodenkrebs entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Hodenkrebs Tests

Test

Ziel

Blutuntersuchung Das Blut wird auf vermehrtes Auftreten bestimmter Eiweißstoffe getestet, die auf Hodenkrebs hinweisen (Tumormarker).
Ultraschall Mit Hilfe von Schallwellen werden das Innere der Hoden und jegliches Wachstum beobachtet.
Mikrolithiasis Wenn Ihr Arzt bei der Ultraschalluntersuchung kleine weiße Flecken (sog. Mikrolithen) entdeckt, kann er eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Hoden entnehmen. Das Gewebe wird auf Krebsvorstufen untersucht.
MRT In speziellen Fällen kann Ihr Arzt eine Kernspintomographie anordnen, um weitere Bilder für die Entscheidung zu erhalten, ob eine Operation erforderlich ist.

Was bedeutet Staging?

Eine Krebserkrankung wird in verschiedene Stadien eingeteilt. Die Stadien beschreiben die Tumorgröße und ob sich Krebszellen auf andere Gewebe oder Organe ausgebreitet und Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben (Abb. 4). Diese Information hilft Ihnen und Ihrem Arzt zu verstehen, wie ernst die Krebserkrankung ist und wie sie behandelt werden sollte.

Wie ist meine Prognose?

Ihre Prognose beschreibt Ihr Risiko, dass der Krebs wächst und/oder nach der Behandlung zurückkehrt. Die Art und das Stadium des Hodenkrebses wird Ihnen und Ihrem Arzt helfen, dies richtig einzuschätzen.

Ihr Arzt wird auf die folgenden Dinge achten:

  • Ihre persönliche Krankengeschichte und Fälle von Hodenkrebs in Ihrer Familie
  • Krebsart (Seminom oder Nichtseminom)
  • Ob die Krebszellen sich auf andere Gewebe oder Organe ausgebreitet haben (Metastasen)
  • Tumormarker-Werte bei den Blutuntersuchungen, insbesondere Marker für Nichtseminome, die aggressiv sind.

Wie wird Hodenkrebs behandelt?

Hodenkrebs wird für gewöhnlich operativ behandelt. Der befallene Hoden muss entfernt werden (Orchiektomie), um den Krebs auszuschalten (Abb. 5). Das Gewebe kann während der Operation untersucht werden, um die Diagnose und das Tumorstadium zu sichern. Weitere Operationen, medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) oder Strahlentherapie können erforderlich sein.

Operation zur Entfernung des Hodens

Alle Hodenkrebse werden chirurgisch behandelt, mit sehr wenigen Ausnahmen.

  • Der Arzt setzt einen Schnitt in der Leiste, um den Hoden sehen zu können.
  • Gewebe kann gewonnen werden, um die Diagnose und das Tumorstadium zu bestätigen.
  • Wird Krebsgewebe gefunden, entfernt der Operateur den gesamten Hoden.
  • In einigen Fällen kann ein künstlicher Hoden (Silikonimplantat) eingesetzt werden, um ein normales Aussehen und Gefühl zu erhalten.

Es gibt in der Regel wenige Komplikationen bei der Hodenentfernung.

Nach der Operation kann es zu einer Blutung oder einer Infektion kommen. Auf lange Sicht können sich Ihre Samenqualität oder Ihr Testosteronspiegel vermindern. Dies kann Ihre Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen.

Teilen Sie Ihrem Arzt vor der Orchiektomie mit, ob Sie nach der Behandlung Kinder zeugen möchten.

Die meisten Männer werden auch nach einer Hodenkrebsbehandlung Väter. Dennoch sollte Ihnen eine Samenanalyse und eine Kryokonservierung Ihres Spermas (tiefgefrorenes Spermadepot in einer Samenbank) als Option angeboten werden.

Abb. 4: Orchiektomie – Einschnitt in der Leiste.
Abb. 4: Orchiektomie – Einschnitt in der Leiste.

Zusätzliche Operationen

Zu möglichen weiteren Operationen gehören Biopsien des anderen Hodens, die Entfernung von Lymphknoten oder von Hodenkrebsgewebe aus der Lunge, der Leber oder anderen Organen.

Biopsie des anderen Hodens

Ihr Arzt kann die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem anderen Hoden empfehlen, um nach Krebsvorstufen zu suchen.

Dies ist vor allem dann zu erwägen, wenn sie einen Hodenhochstand hatten, kleine Hoden oder eine schlechte Samenqualität. Krebsvorstufen werden mit einer Strahlentherapie oder der Hodenentfernung behandelt.

Lymphknotenentfernung

Wenn sich Hodenkrebszellen ausbreiten, wandern sie oft zu den Lymphknoten an der Rückwand der Bauchhöhle.

Die Entfernung dieser Lymphknoten wird als “retroperitoneale Lymphknoten-Dissektion” (RPLND) bezeichnet. Die Operation wird für Männer mit einem hohen Risiko der Krebsausbreitung erwogen. Sie kann auch durchgeführt werden, um nach einer Chemotherapie verbliebene Krebszellen zu entfernen.

Entfernung von Tumoren in anderen Körperteilen

Die Ausbreitung von Hodenkrebszellen könnte zu Tumorwachstum in anderen Geweben und Organen geführt haben. Diese Tumoren werden in der Regel mit einer Chemotherapie behandelt. Eine Operation kann nach der Chemotherapie durchgeführt werden, um verbliebene Tumorreste zu entfernen.

Fragen Sie Ihren Arzt nach sexuellen Nebenwirkungen der RPLND

Ihr Sexualleben kann durch eine Operation zur Entfernung der Lymphknoten an der Rückseite der Bauchhöhle beeinträchtigt werden:

  • Eine RPLND kann dazu führen, dass Ihr Samen und Sperma in Ihre Harnblase gedrückt werden, statt aus Ihrem Penis zu kommen (retrograde Ejakulation). Ihre Orgasmen werden sich anders anfühlen, weil sie trocken sind. Manchmal helfen Medikamente, aber es kann sein, dass Sie durch natürlichen Geschlechtsverkehr keine Kinder zeugen können.
  • Eine RPLND kann zu Nervenschädigungen führen, die Ihre Erektionsfähigkeit beeinträchtigen können.

Sprechen Sie mit Ihrem Operateur über weitere mögliche Nebenwirkungen, bevor Sie Ihre Lymphknoten entfernen lassen.

Fragen, die Sie Ihrem Arzt zur Operation stellen sollten

  • Warum benötige ich eine Operation?
  • Wird der Eingriff mein Sexualleben beeinträchtigen?
  • Werde ich nach der Operation noch fähig sein, Kinder zu zeugen?
  • Wie lange werde ich im Krankenhaus bleiben?
  • Für wie lange Zeit werde ich nicht arbeitsfähig oder krankgeschrieben sein?
  • Werde ich Schmerzen haben?
  • Kann ich künstliche Hoden eingesetzt bekommen?
  • Welche Komplikationen können auftreten?

Chemotherapie

Eine Chemotherapie bekämpft Krebserkrankungen mit Arzneimitteln, die Krebszellen vernichten. Für gewöhnlich werden Chemotherapeutika als intravenöse Infusion direkt in die Blutbahn gegeben. Abhängig vom Krankheitsstadium wird die Chemotherapie in der Regel ein bis vier Mal in einem Abstand von drei Wochen verabreicht.

Ihr Arzt kann das Medikament Carboplatin oder eine Kombination von Bleomycin, Etoposid und Cisplatin („BEP“- oder „PEB“-Schema) empfehlen. Diese Medikamente werden für die Behandlung von Hoch-Risiko-Hodenkrebs oder einem bereits ausgebreiteten Krebs verwendet. Sie sind sehr effektiv, weisen aber einige Nebenwirkungen auf. Die Nebenwirkungen sind in der Regel mild und verschwinden nach dem Therapieende von selbst.

Häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie

  • Infektionen – kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder Husten bekommen
  • Haarausfall – die Haare wachsen für gewöhnlich innerhalb von 3-6 Monaten nach
  • Müdigkeit
  • Übelkeit (Nausea)
  • Wunde Stellen im Mund
  • Sensorische Veränderungen im Geschmack oder Hören
  • Veränderungen der Haut oder Nägel
  • Kribbeln in Fingern und Zehen

Fragen, die Sie Ihrem Arzt zur Chemotherapie stellen sollten

  • Benötige ich eine Chemotherapie?
  • Was kann ich tun, um Nebenwirkungen zu verhindern?
  • Was sollte ich tun, wenn ich eine Infektion bekomme?
  • Für wie lange werden ich Chemotherapie bekommen?
  • Wie lange werde ich nicht zur Arbeit oder in die Schule gehen können?
  • Woran werde ich erkennen, dass die Chemotherapie anschlägt?

Strahlentherapie

Eine Strahlentherapie behandelt Krebserkrankungen, indem sie Krebszellen hochenergetischen Strahlen aussetzt. Diese Strahlen zerstören und töten die Zellen. Eine Strahlentherapie wird manchmal eingesetzt, um Seminome zu behandeln, aber keine Nichtseminome. Das Ziel der Strahlentherapie ist für gewöhnlich, Krebszellen zu töten, die sich auf die Lymphknoten hinter der Bauchhöhle ausgebreitet haben.

Eine Bestrahlung kann auch gesunde Zellen in anderen Organen schädigen, so dass der Strahlenkegel auf die Krebszellen zielen muss, um den Schaden zu begrenzen. Nebenwirkungen sind in der Regel mild.

Häufige Nebenwirkungen der Strahlentherapie

  • Beeinträchtigung der Samenqualität
  • Magen-Darm-Symptome, zum Beispiel Magengeschwüre
  • Ein kleines Risiko, dass die Bestrahlung eine andere Art von Krebs auslöst
  • Müdigkeit
  • Wunde Haut
  • Übelkeit
  • Durchfälle
  • Vorübergehende Sperma-Schäden

Fragen, die Sie Ihrem Arzt zur Strahlentherapie stellen sollten

  • Warum benötige ich eine Strahlentherapie?
  • Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten?
  • \Wie kann ich Nebenwirkungen vorbeugen?
  • Führt diese Behandlung zu irgendwelchen dauerhaften Nebenwirkungen?
  • Wie lange wird dieser Behandlungszyklus dauern?
  • Darf ich nicht zur Arbeit oder Schule gehen?

Hodenkrebs-Behandlung

Behandlung Tumorstadium 1 Tumorstadium 2 Tumorstadium 3
Operation Der betroffene Hoden wird entfernt (Orchiektomie)
Zusätzliche Operationen Eine Biopsie des anderen Hodens kann durchgeführt werden Bei einem Nichtseminom können einige Lymphknoten entfernt werden

Eine Biopsie des anderen Hodens kann durchgeführt werden

Bei einem Nichtseminom können einige Lymphknoten entfernt werden

Tumoren, die sich auf andere Körperregionen ausgebreitet haben, werden entfernt – üblicherweise nach einer Chemotherapie

Eine Biopsie des anderen Hodens kann durchgeführt werden

Chemotherapie Möglich bei einem hohen Risiko, dass der Krebs zurückkehrt (Rezidivrisiko) Ja Ja
Strahlentherapie Nur bei Seminomen, wenn die feingewebliche Untersuchung zeigt, dass der Tumor beginnt, sich zu auszubreiten Nur bei Seminomen, kann eingesetzt werden, um Krebszellen in den Lymphknoten hinter der Bauchhöhle zu vernichten

Umgang mit häufigen Nebenwirkungen

Nebenwirkung Strategie
Infektion Eine Chemotherapie reduziert die Zahl Ihrer weißen Blutkörperchen. Das bedeutet für Sie ein erhöhtes Infektionsrisiko. Wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder Husten bekommen. Wenn Sie eine Infektion haben, könnten Sie eine Antibiotikatherapie benötigen.
Schlechte Samenqualität Eine schlechte Samenqualität nach einer Hodenkrebsbehandlung kann es einigen Männern erschweren, Kinder zu zeugen. Bevor die Behandlung beginnt, sagen Sie Ihrem Arzt, ob Sie Kinder zeugen möchten. Sie könnten dann einen Samenanalyse durchführen und Sperma in einer Samenbank für den späteren Gebrauch einlagern lassen.
Müdigkeit Sich während und nach der Behandlung müde zu fühlen, ist normal und wird für gewöhnlich nach einigen Tagen vergehen. In Bewegung zu bleiben kann hilfreich sein.
Übelkeit Chemo- und Strahlentherapie können zu einer Magenverstimmung führen oder dazu, dass Sie Ihren Appetit verlieren. Informieren Sie Ihren Arzt oder Ihre Pflegekraft, wenn das passiert.

  • Medikamente gegen Übelkeit können helfen, Ihren Magen zu beruhigen.
  • Wenn Ihnen nicht nach essen zumute ist, kann ein hochkalorisches Ergänzungsgetränk für die nötigen Nährstoffe sorgen.
  • Wenden Sie sich an die Diätassistenten des Krankenhauses, wenn Sie dauerhaft Probleme mit Ihrer Ernährung haben.
Durchfall Die Behandlung kann Ihre Darmfunktion beeinträchtigen. Medikamente helfen gegen den Durchfall, auch eine faserarme Diät kann während der Therapie hilfreich sein.
Hautveränderungen Eine Chemotherapie kann Haut- und Nagelveränderungen verursachen, eine Strahlentherapie dazu führen, dass das bestrahlte Areal rot und wund wird bie bei einem Sonnenbrand. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie sie ihre Haut feucht und geschmeidig halten. Die Symptome werden für gewöhnlich verschwinden, nachdem die Behandlung abgeschlossen ist.

Was geschieht nach der Behandlung?

Nachsorge

Ihr Arzt wird nach der Behandlung regelmäßige Termine mit Ihnen verabreden, um zu erkennen, ob der Krebs zurückkehrt (Rezidiv). Diese Termine können eine körperliche Untersuchung, Bluttests, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und/oder eine Computertomografie beinhalten, um nach neuen Tumoren zu suchen. Die Termine werden direkt nach der Behandlung in der Regel häufiger stattfinden. Die Nachsorge umfasst für gewöhnlich mindestens fünf Jahre. Tritt in dieser Zeit kein Rezidiv auf, benötigen Sie keine weitere Behandlung.

Rezidivbehandlung

Wenn ein neuer Krebs während der Nachsorge entdeckt wird, werden Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie wie bereits beschrieben durchgeführt. Auch bei einem Rezidiv stehen die Heilungschancen gut.

Leben mit Hodenkrebs

Eine Krebsdiagnose ist oft belastend und verwirrend. Gute Informationen über Ihre Krankheit können Ihnen helfen, die Kontrolle zu behalten. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam und lernen Sie so viel wie Sie können. Je mehr Sie wissen, desto besser sind Sie in der Lage, Entscheidungen über Ihre Versorgung zu fällen.

Leben mit einem Hoden

Ein Mann kann für gewöhnlich alles mit einem Hoden machen, was er mit zweien gemacht hätte. Wenn das optische Erscheinungsbild ein Problem darstellt, könnte ein künstlicher Hoden (Silikonimplantat) eine Möglichkeit sein, für ein natürlicheres Aussehen und Gefühl zu sorgen. Die Behandlung kann die Samenqualität beeinträchtigen, aber die meisten Männer sind auch mit einem Hoden in der Lage, Kinder zu zeugen. In einigen Fällen kann eine Behandlung erforderlich sein, um den Testosteronspiegel wieder zu normalisieren.

Behandlung geringer Testosteronspiegel

Die Symptome eines niedrigen Testosteronspiegels sind nicht sehr spezifisch, aber zu ihnen zählen Müdigkeit, geringer Sexualtrieb, Erektionsschwäche, Gynäkomastie (Schwellung des Brustgewebes bei Männern) sowie eine Verminderung der Körperbehaarung oder des Bartwuchses. Mitunter haben auch Männer mit normalem Testosteronspiegel solche Symptome nach der Behandlung. Bluttests können zeigen, ob ein niedriger Testosteronspiegel die Ursache dieser Symptome sein kann.

Abb.5: Testosteron: Zielorgane.
Abb.5: Testosteron: Zielorgane.

Schutz für Ihren Partner

Hodenkrebs ist keine Infektion. Sie können beim Sex keine Krebszellen auf Ihren Partner übertragen und ein Samenerguss verschlimmert nicht Ihren Krebs. Während einer Chemotherapie sollten Sie Kondome verwenden, um Ihren Partner vor den Medikamenten in Ihrem Sperma zu schützen.

Umgang mit sexuellen Fragen

Die Entfernung eines Hodens sollte Ihnen weder Ihre Potenz noch Ihre Fruchtbarkeit nehmen. Die meisten Männer können nach der Operation eine normale Erektion aufbauen. Dennoch sind einige sexuelle Schwierigkeiten nach einer Hodenkrebsdiagnose verbreitet. Die Ejakulationsfähigkeit kann sich durch die Operation verändern. Wenn Sie solche Probleme haben, könnten Beratung oder eine medizinische Behandlung helfen.

Sprechen Sie mit dem Chirurgen über mögliche Nebenwirkungen des Eingriffs, bevor Sie Ihre Lymphknoten in der Bauchhöhle entfernen lassen. Diese Operation kann Ihr Sexualleben beeinflussen:

  • Eine RPLND kann dazu führen, dass Ihr Samen und Sperma in Ihre Harnblase gedrückt werden, statt aus Ihrem Penis zu kommen (retrograde Ejakulation). Ihre Orgasmen werden sich anders anfühlen, denn sie sind „trocken“. Medikamente können in einigen Fällen helfen. Es ist aber möglich, dass Sie auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen können.
  • Eine RPLND kann zu Nervenschädigungen führen, die Ihre Erektionsfähigkeit beeinträchtigen können.

Es kann sein, dass es Ihnen schwerfällt, mit Ihrem Arzt oder Ihrem Partner über sexuelle Probleme zu sprechen. Schließlich ist Ihr Sexualleben eine sehr persönliche Angelegenheit. Ärzte und Pflegekräfte haben aber viele Männer mit ähnlichen Problemen behandelt und sin des gewohnt, darüber zu sprechen. Sie können Ihren Arzt oder Ihre Pflegekraft bitten, Sie zu einem spezialisierten Berater oder Sexualtherapeuten zu überweisen.

Umgang mit geringem Sexualtrieb

Es kann sein, dass Sie weniger Lust auf Sex (Libido) verspüren als gewohnt, zumindest vorübergehend. Das ist völlig normal. Jede Art von Hodenkrebsbehandlung kann dieses Gefühl verursachen. Auch Müdigkeit oder Krankheitsgefühle können Ihre Libido verringern, ebenso wie Furcht, Ängstlichkeit und Ärger. Nachdem die Behandlung überstanden ist und sie damit leben, einmal Krebs gehabt zu haben, wird Ihre Libido zurückkehren.

Fruchtbarkeit bewahren

Eine schlechte Samenqualität nach der Hodenkrebstherapie kann es für einige Männer schwierig machen, Kinder zu zeugen. Bevor die Behandlung beginnt, sagen Sie Ihrem Arzt, ob Sie Kinder zeigen möchten. Sie könnten eine Samenanalyse durchführen und Spermaproben in einer Samenbank für einen späteren Gebrauch einlagern lassen.

Sie könnten zu den wenigen Männern gehören, die keine Spermaprobe produzieren können oder die keine oder sehr wenige Samenzellen im Sperma haben. In diesem Fall gibt es dennoch die Möglichkeit, dass irgendwo in Ihren Hoden funktionsfähige Spermien vorhanden sind. Manchmal lassen sich Spermien direkt aus Proben gesunden Hodengewebes entnehmen. Eingelagertes Sperma kann zur sofortigen Befruchtung eines Eis verwendet oder für eine spätere Nutzung tiefgefroren werden.

Umgang mit gesellschaftlichen und psychologischen Effekten

Eine Krebsdiagnose kann einen großen Einfluss auf Ihr Leben und das Ihrer Angehörigen haben. Krebs kann dazu führen, dass Sie sich schwach fühlen, Gefühle wie Ängstlichkeit, Ärger, Furcht oder Depression auslösen. Einige Patienten sind während oder nach der Behandlung erschöpft. Es ist sehr verbreitet, sich Sorgen zu machen, dass der Krebs zurückkehren könnte. Während der Behandlung werden Sie nicht an Ihrem Arbeitsplatz sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über den besten Weg, Sie wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. Vielleicht können Sie in Teilzeit arbeiten oder in einer anderen Funktion. Suchen Sie Unterstützung oder Behandlung für diese Themen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Pflegekraft im Krankenhaus oder fragen Sie Ihren Hausarzt. Ihr Behandlungsteam kann Sie an eine Patientenorganisation oder andere Stellen überweisen, die Ihnen mit psychologischer Unterstützung oder in praktischen Dingen wie bei finanziellen Fragen helfen können.

Häufige Fragen

Kann Hodenkrebs töten?

Die aktuellen Behandlungsverfahren bei Hodenkrebs sind sehr effektiv. Todesfälle durch Hodenkrebs sind selten.

Was bedeutet meine Prognose?

Ihre Prognose beschreibt Ihr Risiko, dass der Krebs wächst und/oder nach der Behandlung zurückkehrt. Das Wissen um Art und Stadium des Hodenkrebses werden Ihnen und Ihrem Arzt helfen, dies richtig einzuschätzen.

Kann ich mit nur einem Hoden normal funktionieren?

Mit einem Hoden werden die meisten Männer weiter Spermien und das männliche Sexualhormon Testosteron produzieren. Einige Männer benötigen allerdings eine medizinische Behandlung, um den normalen Testosteronspiegel im Körper aufrechtzuerhalten. Nach einer Schädigung des Hodengewebes eine normale Spermienproduktion wiederherzustellen ist in aller Regel nicht möglich. Sie können sich bei der Operation künstliche Hoden (Prothesen) in den Hodensack einsetzen lassen. Dies wird manchmal aus rein kosmetischen Gründen getan, um ein normales Aussehen zu erhalten.

Wird meine Krebsbehandlung meine Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

Wenn Sie nach der Hodenkrebstherapie Kinder zeugen möchten, sollte Ihnen eine Samenanalyse und eine Kryokonservierung von Sperma (tiefgekühlte Depots von Spermaproben in einer Samenbank) angeboten werden. Dies sollte idealerweise vor der Orchiektomie geschehen, in einigen Fällen vor der Chemotherapie. In den sehr seltenen Fällen eines beidseitigen Hodenkrebses, bei denen beide Hoden entfernt werden, kann der Mann nach der Operation keine Kinder mehr auf natürliche Weise zeugen. Das Anlegen eines Spermadepots in einer Samenbank vor der Behandlung ermöglicht eine reelle Erfolgschance.

Mein Sohn ist besorgt, er könnte Hodenkrebs bekommen. Was soll ich ihm sagen?

Wenn es Hodenkrebs in Ihrer Familie gibt, sagen Sie das Ihrem Arzt. Das Risiko, diesen Krebs zu bekommen, ist erhöht, wenn ein naher Verwandter, zum Beispiel Ihr Vater oder Ihr Bruder, betroffen ist. Es gibt keine Routineuntersuchungen für ein Hodenkrebs-Screening. Ihr Sohn könnte seine Hoden regelmäßig selbst untersuchen.

Wo wird an Hodenkrebs geforscht?

Fragen Sie Ihren Arzt, wo in Ihrem Umfeld Studien durchgeführt werden oder durchsuchen Sie die Register- und Ergebnisdatenbank öffentlich und privat geförderter klinischer Studien, die weltweit durchgeführt werden: https://clinicaltrials.gov/

Links zu weiteren Informationen

Hodenkrebs-Behandlung

US-Nationalbibliothek für Medizin

EAU-Leitlinien

Diese Informationen wurden zuletzt im März 2017 aktualisiert

Diese Seite enthält allgemeine Informationen über Hodenkrebs. Wenn Sie spezifische Fragen zu Ihrer eigenen medizinischen Situation haben, sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt oder einem anderen Gesundheitsdienstleister.

Diese Informationen wurden erstellt von der European Association of Urology (EAU) Patient Information Working Group.

  • Dr. F. Esperto – Rom, Italien
  • Dr. U. Nordström Joensen – Roskilde, Dänemark

Die Inhalte dieser Seite entsprechen den EAU-Leitlinien.

Die Übersetzung dieser Broschüre wurde unterstützt durch die Asklepios Kliniken.