Erektile Dysfunktion

Was ist Erektile Dysfunktion?

Die Erektile Dysfunktion (ED) ist eine häufige sexuelle Störung bei Männern. Sie steht für die Unfähigkeit, eine für einen befriedigenden Geschlechtsakt ausreichende Erektion aufzubauen oder aufrecht zu erhalten. Die Erektionsstörung kann gelegentlich oder regelmäßig auftreten, mit oder ohne eine klare Ursache. Einige Männer mit ED sind überhaupt nicht in der Lage, eine Erektion zu bekommen.

Eine ED ist keine lebensbedrohende Störung, sie kann aber Ihre Lebensqualität und die Ihrer Parterin beeinträchtigen.

Was ist eine Erektion?

Der Aufbau einer Erektion beinhaltet körperliche, hormonelle und psychologische Elemente. Der Penis besteht aus weichem, schwammartigem und elastischem Gewebe, das sich mit Blut füllt, um ihn wachsen und fest werden zu lassen. Die um das schwammartige Gewebe und die Prostata herumliegenden Nerven senden Signale, die die Blutversorgung durch die Blutgefäße anregen (Abb. 1). Diese Signale werden durch das männliche Sexualhormon Testosteron gesteuert.

Wie häufig kommt ED vor?

Die ED ist eine häufige Erkrankung des Mannes, unabhängig von Alter und ethnischem Hintergrund. Das Risiko, eine ED zu bekommen, nimmt mit dem Alter zu.

Abb. 1: Anatomie des Penis.
Abb. 1: Anatomie des Penis.

ED nach Prostatenkrebs

Prostatakrebs ist ein bösartiger Tumor in der Vorsteherdrüse (Prostata). Er ist die häufigste Form von Krebs unter älteren Männern. Es gibt verschiedene Therapieverfahren zur Behandlung eines örtlich begrenzten Prostatakrebses. Zwei der gebräuchlichsten sind die radikale Prostatektomie und die Strahlentherapie. Diese Behandlungsverfahren können die sexuelle Gesundheit beeinträchtigen, und Männer leiden nach der Therapie häufig unter einer erektilen Dysfunktion (ED).

Warum führt die Prostatakrebstherapie oft zu Erektionsstörungen?

Die Prostata sitzt direkt unterhalb der Blase und ist von Nerven und Blutgefäßen umgeben. Diese Nerven und Blutgefäße werden für eine normale Erektion benötigt. Es wurde viel geforscht, um den Verlauf der Nerven zu verstehen und Wege zu finden, sie bei der Operation oder anderen Behandlungsverfahren nicht zu verletzen.

Werde ich nach der Behandlung normale Erektionen haben können?

Das Risiko einer ED nach der Behandlung des Prostatakrebses hängt von dem chirurgischen Verfahren oder der Art der Strahlentherapie ab, die Ihr Arzt einsetzt, aber auch von:

  • Ihrem Alter
  • Ihrer Statur
  • Ihrer Krankheitscharakteristik
  • Ihrer sexuellen Gesundheit vor der Therapie

Mit Erektiler Dysfunktion leben

Beinahe jeder Mann kann kurzzeitig unter Erektionsstörungen leiden. Fast immer steht das in Verbindung mit bestimmten und spezifischen Lebenssituationen, Problem oder Stresssituationen. Für gewöhnlich verschwinden diese Probleme von selbst, wenn sich die Situation aufgelöst oder verändert hat. Im Allgemeinen müssen Sie deshalb keinen Arzt aufsuchen.

Wenn Sie für mehr als sechs Monate unter einer Erektionsschwäche (Erektile Dysfunktion (ED)) leiden, sollten Sie professionelle Hilfe suchen. Ihr Arzt kann Ihnen durch körperliche und psychische Tests helfen, die Ursachen zu finden. Sie erfahren mehr darüber im Kapitel Diagnostik der ED.

Eine ED kann Ihre Lebensqualität negativ beeinflussen. Die Lebensqualität umfasst sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit. Es ist wichtig, sich nicht nur gesund zu fühlen, sondern auch frei von der psychischen Belastung, mit einer ED zu leben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass verschiedene Menschen die gleichen Symptome unterschiedlich erleben. Deshalb sind Ihre persönliche Erfahrung und Ihre Lebensqualität nicht zu unterschätzen: Sie sind genauso wichtig, wie diagnostische Tests und Behandlungsergebnisse.

Hilfe suchen

Die ED ist eine sehr intime und private Erkrankung. Die meisten Patienten nutzen vielfältige Quellen, um sich über Erektionsstörungen zu informieren: Freunde, das Internet, Medien, Geschäfte für sexuelle Gesundheit, Apotheker, Psychologen oder Ärzte.

Einige Männer entscheiden sich dafür, über Ihr Problem mit niemandem zu sprechen oder nicht zum Arzt zu gehen, weil sie:

  • denken, sie hätten eine normale Erektion, so dass eine Therapie unnötig erscheint
  • davon ausgehen, dass sie ihr Geschlechtsleben stoppen können, so dass eine Therapie unnötig erscheint
  • Angst haben, sie könnten an einer unheilbaren Erkrankung leiden
  • sich Sorgen um eine Fehldiagnose machen
  • keinen einfachen Zugang zu einem Arzt haben
  • eine negative Erfahrung im Krankenhaus gemacht haben
  • Freunde oder Verwandte haben, die negative Erfahrungen mit der Therapie einer ähnlichen Erkrankung gemacht haben
  • nichts über die möglichen Behandlungsverfahren wissen
  • finanzielle Probleme haben
  • sich aufgrund ihres Alters oder ihrer Erkrankung isoliert fühlen

Auch wenn diese Gründe überzeugend zu sein scheinen, sollten sie Sie nicht davon abhalten, Hilfe zu suchen und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Fragen, die Sie Ihrem Arzt stellen können

Sie können viele Fragen zu Ihrer Erkrankung haben. Die EAU-Patienteninformationen zur ED beantworten viele dieser Fragen, aber sie befassen sich nicht mit Ihrer persönlichen Situation. Der Urologe und der Sexualtherapeut sind die besten Ansprechpartner, um diese Themen zu erörtern und Sie sollten sich nicht scheuen, dabei alle Ihre Sorgen anzusprechen.

Hier sind einige Fragen, die Sie Ihrem Arzt stellen könnten:

  • Warum hat sich dieses Problem bei mir entwickelt?
  • Warum passiert das mir?
  • Was wird in den nächsten Monaten und Jahren passieren, wenn ich mich nicht behandeln lasse?
  • Was wird in den nächsten Monaten und Jahren passieren, wenn ich mich für eine Behandlung entscheide?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten sind verfügbar?
  • Welche Behandlungsmöglichkeit empfehlen Sie mir?
  • Warum empfehlen Sie mir dieses Behandlungsverfahren?
  • Was kann ich von der Behandlung erwarten?
  • Welche Nebenwirkungen oder Risiken können bei dieser Behandlung auftreten?
  • Wird die Behandlung meine Krankheit heilen?
  • Wie lange werde ich eine Behandlung benötigen?

This information was produced by the European Association of Urology.

  • Dr. Maarten Albersen, Leuven (BE)
  • Dr. Eduardo García-Cruz, Barcelona (ES)
  • Prof. Dr. Kostas Hatzimouratidis, Thessaloniki (GR)
  • Prof. Dr. Markus Margreiter, Vienna (CH)
  • Dr. Ege Can Serefoglu, Istanbul (TR)
  • Dr. Chaira Simonelli, Rome (IT)
  • Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Giessen (DE)

Updated March 2018 by the EAU Patient Information Working Group

  • Dr. Mazhar Ortac, Istanbul (TR)