Gutartige Prostatavergrößerung

Was ist die Prostate?

Die Prostata ist eine Drüse in den unteren Harnwegen, die sich unterhalb der Harnblase befindet und die Harnröhre umkleidet (Abb. 1). Nur Männer haben eine Prostata. Sie produziert ein Sekret, das zur Beförderung des Spermas dient. Die Prostata verfügt über glatte Muskeln, die dafür sorgen, dass das Sperma während der Ejakulation herausgedrückt wird.

Eine gesunde Prostata hat etwa die Größe einer großen Walnuss und ein Volumen von 15-25 ml. Die Prostata wächst mit fortschreitendem Alter.

Gutartige Prostatavergrößerung

Prostataerkrankungen treten in der Regel erst im fortgeschrittenen Alter auf und können störende Symptome im unteren Harntrakt bei Männern über 50 verursachen. Diese Symptome können durch die Vergrößerung der Prostata, bekannt als gutartige Prostatavergrößerung (BPE), verursacht werden (Abb. 2), aber auch durch andere Erkrankungen , was von Seiten des Arztes überprüft wird.

Was sind BPH, BPE und BPO?

Die Benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist ein gutartiger Zustand, bei dem die Prostata wächst, und bei allen Männern in gewissem Maße irgendwann im Alter auftritt. Es besteht ein Zusammenhang zwischen diesem Zustand und hormonellen Veränderungen, die im fortgeschrittenen Alter auftreten. Bei etwa der Hälfte der erkrankten Männer, kann BPH zu einer gutartige Prostatavergrößerung (BPE) führen.

Dies wiederum kann den Fluss des Urins behindern, ein Zustand, der als benigne Prostataobstruktion (BPO) bezeichnet wird. Etwa die Hälfte aller Männer mit BPO entwickeln eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE). Da sich diese drei Erkrankungszustände sehr ähneln, werden ihre Namen oft synonym.

Abb. 1: Eine gesunde Prostata im unteren Harntrakt.
Abb. 1: Eine gesunde Prostata im unteren Harntrakt.
Abb. 2: Eine vergrößerte Prostata, die auf dieHarnröhre und Harnblase drückt.
Abb. 2: Eine vergrößerte Prostata, die auf dieHarnröhre und Harnblase drückt.

Symptome

Eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE) kann Einfluss auf das Urinieren haben, da die vergrößerte Prostata auf den Abgang der Harnröhre aus der Harnblase drückt.

In vielen Fällen treten lediglich geringe Symptome auf wie zum Beispiel häufiges Urinieren oder Schwierigkeiten, die Blase vollständig zu entleeren. Diese Symptome sind ein normaler Teil des Alterns – genau wie der Rückgang von der Mobilität, des Gedächtnisses oder der Beweglichkeit. Es ist möglich, dass bei geringen Symptomen keinerlei Behandlung empfohlen wird.

Oft sind die Symptome jedoch sehr störend und können einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität des Erkrankten haben. Verschiedene Behandlungsmethoden können hier weiterhelfen.

Die Symptome, die auch Symptome des unteren Harntraktes (LUTS) genannt werden, können durch BPE, aber auch durch andere die Harnwege beeinflussende Erkrankungen verursacht werden.

Arten der Symptome

Bei Männern mit BPE können die Symptome das Urinieren auf unterschiedliche Art und Weise beeinflussen:

  • Art und Weise, wie der Urin in der Blase gespeichert wird (Harnspeicherung)
  • Art und Weise des Urinieren (Entleerung)
  • Gefühl nach dem Urinieren (Postmiktion)

Die Symptome der Harnspeicherung umfassen:

  • Bedürfnis, öfter zu urinieren, als üblich
  • Vermehrtes, nächtliches Urinieren
  • Plötzlicher Harndrang und Schwierigkeiten mit dem Urinieren zu warten
  • Unfreiwillige Entleerung der Harnblase

Die Symptome der Blasenentleerung umfassen:

  • Schwacher Harnstrahl
  • Geteilter oder sprühender Harnstrahl
  • Häufig unterbrochener Harnstrahl
  • Drücken beim Urinieren ist erforderlich
  • Längere Zeitdauer, bis der Harnfluss beginnt
  • Das Urinieren dauert länger als üblich
  • In seltenen Fällen akuter oder chronischer Harnverhalt

Die Symptome der Postmiktion umfassen:

  • Das Gefühl, dass die Blase während des Urinierens nicht vollständig entleert werden kann
  • Unfreiwilliger Harnverlust oder Harnträufeln kurz nach Verlassen der Toilette

Diagnose

Der Arzt oder das Pflegepersonal führt verschiedene Tests durch, um die gegenwärtigen Symptome deuten zu können. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Diagnostik.

Die im letzten Abschnitt aufgeführten Symptome können durch verschiedene Krankheiten verursacht werden und nicht nur durch BPE. Aus diesem Grund sind eventuell mehrere Tests erforderlich, bevor der Arzt eine Diagnose stellen kann.

Als erstes nimmt der Arzt oder das Pflegepersonal die Krankengeschichte des Patienten auf und führt eine körperliche Untersuchung durch. Bei Bedarf werden Urin- und Bluttests, Aufnahmen von Blase und Prostata und andere Untersuchungen durchgeführt.

Krankengeschichte

Der Arzt nimmt die Krankengeschichte des Erkrankten auf und stellt Fragen über die gegenwärtigen Symptome. Der Erkrankte kann seinem Arzt helfen, indem er sich auf die Konsultation folgendermaßen vorbereitet:

  • Erstellen einer Liste aller bisherigen chirurgischen Verfahren
  • Erstellen einer Liste über die Einnahme von Medikamenten
  • Erwähnen von anderen Krankheiten, an denen der Erkrankte leidet
  • Beschreibung des Lebensstils (Sport, Rauchen, Alkoholkonsum und Ernährung)
  • Beschreibung der gegenwärtigen Symptome
  • Angaben zum Zeitpunkt an dem die Symptome aufgetreten sind

Der Arzt kann Sie bitten, einen Fragebogen auszufüllen, um Angaben über die aktuellen Symptome, die Häufigkeit ihres Auftretens und die Auswirkung auf die Lebensqualität zu erhalten. Mehrere Fragebögen stehen zur Verfügung, einschließlich IPSS, ICIQ Male LUTS und DAN-PSS. Der am häufigsten verwendete Fragebogen ist der Internationale Prostatasymptomenscore (IPSS). Er besteht aus sieben Fragen über die Symptome, die mit Werten zwischen 0 und 5, von leicht bis schwer, bewertet werden können.

Körperliche Untersuchung

Der Arzt oder das Pflegepersonal führt eine körperliche Untersuchung durch. Es wird Folgendes untersucht:

  • Blasendehnung (wenn nicht vollständig entleert, kann sich die Blase ausdehnen)
  • Schädigung der Haut an Penis und Hodensack (ein Zeichen für Inkontinenz)
  • Ausfluss aus der Harnröhre (ein Zeichen für eine Infektion)
  • Anomalien des Penis, Hodensacks und der Hoden

Des Weiteren wird der Arzt eine digitale Untersuchung des Rektums durchführen. Während der Rektaluntersuchung tastet der Arzt die Prostata mit dem Finger ab, um ihre Größe, Form und Konsistenz zu erfassen. Dieser Test ist als digitale Untersuchung des Rektums (DRE) bekannt.

Urintest

Für einen Urintest ist eine Urinprobe des Erkrankten erforderlich. Der Test wird zeigen, ob eine Harnwegsinfektion vorhanden ist und ob sich Spuren von Blut im Urin nachweisen lassen.

Uroflowmetrie

Dies ist ein einfacher Test, der den Harnstrom elektronisch misst. Er wird schnell und diskret im Krankenhaus oder in der Klinik durchgeführt. Dabei wird in einen Becher uriniert, der als Uroflowmeter bezeichnet wird (Abb. 3). Dieser Test hilft dem Arzt bei der Überprüfung, ob die vergrößerte Prostata eine Blockade der unteren Harnwege verursacht.

Blutuntersuchung

Im Rahmen der Diagnose wird der Arzt eine Blutuntersuchung durchführen, um die Nierenfunktion zu testen. Der Arzt kann ebenfalls überprüfen wollen, ob ein erhöhter Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) erkennbar ist. PSA ist ein Protein, das von der Prostata produziert wird. Eine benigne Prostatavergrößerung, eine Entzündung der Prostata oder Prostatakrebs können seine Produktion erhöhen. Der Arzt wird die möglichen Auswirkungen dieses Tests erklären, bevor er eine Empfehlung ausspricht.

Bildgebung der Harnwege

Es wird eine Sonographie durchgeführt, auch bekannt als Ultraschall, bei der durch Hochfrequenzschall ein Bild der Blase und der Prostata erstellt wird.

Der Arzt oder das Pflegepersonal untersucht die Harnblase mittels Ultraschall, um zu überprüfen, wie viel Resturin nach dem Urinieren in der Blase verbleibt. Anhand dieser Informationen kann festgestellt werden, ob die Symptome durch chronischen Harnverhalt verursacht werden, was auf eine Komplikation der BPE hindeuten kann.

Mittels Ultraschall kann auch das Prostatavolumen gemessen werden. Diese Informationen können zur Auswahl der geeigneten Behandlungsmöglichkeit dienen.

Urodynamische Untersuchung

Eine urodynamische Untersuchung wird vorgenommen, um weitere Informationen über den Harnzyklus und die Blasenmuskulatur zu sammeln. Bei diesem Verfahren werden Katheter in Harnröhre und Rektum platziert, um den Druck in der Harnblase und im Unterleib zu messen.

Mithilfe des Katheters wird die Blase durch die Harnröhre langsam mit sterilem Wasser gefüllt. Auf diese Weise wird die Füllung der Blase mit Urin simuliert. Wenn die Blase voll ist, wird der Patient in einen Uroflowmeter urinieren.

Die Testergebnisse werden auf einem Bildschirm angezeigt, der mit dem Katheter verbunden ist. Manchmal muss dieser Test wiederholt werden, um genaue Ergebnisse zu erzielen. Dafür wird der bereits vorhandene Katheter erneut verwendet.

Ein Arzt kann sich für diese Art von Untersuchung entscheiden, wenn der Erkrankte:

  • unter neurologischen Funktionsstörungen leidet;
  • bereits Operationen an Becken oder Prostata hatte;
  • eine hohe Menge von Restharn nach dem Urinieren in der Blase aufweist;
  • in einer Altersgruppe ist, für die BPE ungewöhnlich ist;
  • oder wenn der Urologe weitere Informationen zur Deutung der Symptome benötigt.

Behandlung

Beobachten und Abwarten

Wird eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE) diagnostiziert, ohne dass störende Symptome des unteren Harntraktes (LUTS) auftreten, wird in der Regel von einer medikamentösen oder operativen Behandlung abgesehen. Stattdessen wird der Urologe den Zustand, den Verlauf der Erkrankung sowie die Umstellung des Lebensstils zur Reduzierung der Symptome bzw. den Umgang mit den Symptomen erläutern. Der Urologe wird den Zustand in den folgenden Monaten oder Jahren genau beobachten und gegebenenfalls eine aktive Behandlung empfehlen. Dies wird als Beobachten und Abwarten bezeichnet.

Beobachten und Abwarten ist angebracht, wenn die Symptome sehr schwach sind und die Lebensqualität nicht beeinflussen. Dies ist keinesfalls ein passiver Behandlungsansatz, da hierzu regelmäßige Untersuchungen notwendig sind, sodass eine Verschlechterung des Zustands ausgeschlossen werden kann.

Den meisten Männern mit BPE wird ein Zeitraum des Beobachten und Abwarten empfohlen, bevor mit irgendeiner Behandlung begonnen wird. Dies wird allgemein empfohlen, da es in dieser Zeit nur äußerst selten zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann. In der Tat können einige Symptome ohne jegliche Behandlung abklingen, während andere über Jahre hinweg unverändert bleiben.

Das Beobachten und Abwarten beinhaltet:

  • Evaluation der Symptome
  • Eine körperliche Untersuchung
  • Blut- und Urintests
  • Aufklärung über den Zustand
  • Unterstützung und Bestärkung
  • Lebensstil und Ratschläge zum Umgang mit Zustand und Symptomen

Ratschläge für den Alltag

  • Trinken Sie mindestens 1 Liter am Tag und sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie mehr trinken können.
  • Trinken Sie mehr, wenn Sie in einem heißen Klima leben oder viel Sport treiben.
  • Trinken Sie weniger vor und während langen Reisen.
  • Trinken Sie weniger, um vermehrtes, nächtliches Urinieren zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie den Konsum von Alkohol und Koffein, denn dadurch wird die Harnproduktion erhöht und Ihre Blase zusätzlich gereizt.
  • Versuchen Sie, 2 bis 3 Mal in der Woche Sport zu treiben. Bewegungsmangel kann das Urinieren erschweren und Harnverhalt verursachen.
  • Folgen Sie einer ausgeglichenen und abwechslungsreichen Ernährung.
  • Versuchen Sie, Ihren Bauch stets trocken und warm zu halten. Wenn Sie schwimmen gehen, sollten Sie trockene Kleidung anziehen, sobald Sie aus dem Wasser kommen. Feuchtigkeit und Kälte können zu erhöhtem Harndrang und zu einer Harnwegsinfektion führen.
  • Wenn der Harnstrahl schwach ist, kann es passieren, dass Urin auf die Toilettenbrille oder den Boden sprüht. Einige Männer bevorzugen daher, sich beim Urinieren hinzusetzen. Andere ziehen es vor, in einen Becher zu urinieren und diesen dann in der Toilette zu entleeren.

Selbstständiger Umgang mit Symptomen

Abgesehen von den folgenden allgemeinen Ratschlägen kann im Alltag aktiv mit den durch BPE verursachten Symptomen umgegangen werden. Dies hilft, die Symptome zu reduzieren und die Kontrolle über den eigenen Zustand aufrechtzuerhalten.

  • Leeren Sie Ihre Blase vollständig, sobald Sie Harndrang verspüren. Es kann hilfreich sein, wenn Sie sich zum Urinieren hinsetzen.
  • Wenn Sie nach dem Urinieren das Gefühl haben, dass die Blase nicht vollständig leer ist, versuchen Sie es nach 5 Minuten erneut.
  • Verwenden Sie bei unfreiwilligem Harnverlust eine Einlage.
  • Drücken Sie nach dem Urinieren mit den Fingern unter dem Hodensack auf die Harnröhre; bewegen Sie die Finger von der Basis bis zur Spitze des Penis, um so die letzten Tropfen des Urins herauszudrücken. So können Sie Nachträufeln vermeiden.
  • Lenken Sie sich durch Atemübungen von dem Gefühl des Harndrangs ab.
  • Üben Sie Druck auf Penis oder Perineum aus (Abb. 1), um sich von dem Gefühl, Urinieren zu müssen, abzulenken.
  • Wenn bei starkem Harndrang länger mit dem Urinieren gewartet wird, wird die Blase trainiert, mehr Urin über längere Zeit zu speichern.
  • Vermeiden Sie Verstopfungen durch Anpassung Ihrer Ernährung.
  • Vermeiden Sie einen plötzlichen Temperaturwechsel und versuchen Sie stets Ihren Unterbauch warm zu halten.
Abb. 1: Der männliche Harntrakt.
Abb. 1: Der männliche Harntrakt.

Medikamentöse Behandlung von LUTS bei Männern mit BPE

Wenn eine gutartige Prostatavergrößerung (BPE) diagnostiziert wird, kann der Arzt eine medikamentöse Behandlung empfehlen. Die medikamentöse Behandlung wird dann empfohlen, wenn die Symptome sehr störend sind und die Lebensqualität beeinträchtigen. Dieser Abschnitt beschreibt die verschiedenen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten von BPE, die mit dem behandelnden Arzt besprochen werden sollten. Gemeinsam kann entschieden werden, welcher Ansatz am besten geeignet ist.

Faktoren, die einen Einfluss auf diese Entscheidung haben, umfassen:

  • Symptome
  • Größe der Prostata
  • Medizinische Vorgeschichte
  • Verfügbare Medikamente je nach Land
  • Persönlichen Einstellung und Werte des Patienten

Es gibt verschiedene Gruppen von Medikamenten, die zur Behandlung der durch BPE verursachten Symptome verwendet werden.

  • Pflanzliche Arzneimittel
  • Alpha-Blocker
  • 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (5ARI)
  • Muskarinrezeptorantagonisten (MRA)
  • Phosphodiesterase-Hemmer (PDE5I)
  • Eine Kombination von Medikamenten

Operative Behandlung von LUTS bei Männern mit BPE

Wenn eine benigne Prostatavergrößerung (BPE) diagnostiziert wird, kann der Arzt eine operative Behandlung empfehlen. Dieser Abschnitt beschreibt die verschiedenen operativen Behandlungsmöglichkeiten von BPE, die mit dem behandelnden Arzt besprochen werden sollten. Gemeinsam kann entschieden werden, welches Verfahren am besten geeignet ist.

Faktoren, die einen Einfluss auf diese Entscheidung haben, umfassen:

  • Symptome und Lebensqualität
  • Größe der Prostata
  • Medizinische Vorgeschichte
  • Die Art der im Krankenhaus zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden und die Fachkenntnisse des behandelnden Arztes. Fragen Sie Ihren Urologen über seine Erfahrungen mit der empfohlenen Behandlungsmöglichkeit. Sie haben das Recht auf Informationen über die Komplikationsrate des Chirurgen, der die Operation durchführt.
  • Persönliche Einstellung und Werte des Patienten. Es gibt keine einheitliche Behandlung, die für alle Patienten geeignet ist.

Dieser Abschnitt enthält allgemeine Informationen über die operativen Behandlungsmöglichkeiten von BPE; Einzelheiten können aber von Land zu Land variieren.

Wann sollte eine Operation in Betracht gezogen werden?

  • Wenn die Symptome schlimmer werden; auch dann, wenn bereits eine medikamentöse Behandlung durchgeführt wird.
  • Wenn Komplikationen mit der BPE auftreten oder das Risiko dafür besteht. Komplikationen umfassen:
    • Nierenversagen
    • Nierendilatation
    • Unfähigkeit zu urinieren (Harnverhalt)
    • Wiederkehrende Infektionen der Harnwege
    • Wiederkehrende Blutspuren im Urin
  • Intoleranz gegenüber medikamentöser Behandlung
  • Präferenz von operativer gegenüber medikamentöser Behandlung

Während eines operativen Eingriffs wird der vergrößerte Teil der Prostata (auch bekannt als Adenom) durch den Chirurgen entfernt. Es gibt unterschiedliche operative Verfahren, die allesamt darauf abzielen, die Symptome und den Harnfluss zu verbessern.

Die wichtigsten Operationsverfahren sind:

  • Transurethrale Resektion der Prostata (TURP)
  • Transurethrale Inzision der Prostata (TUIP)
  • Offene Prostatektomie
  • Laserbehandlung
  • Prostatische Stents
  • Transurethrale Nadelablation (TUNA)
  • Transurethrale Mikrowellentherapie (TUMT)

In diesem Abschnitt wird auch die Behandlung mittels Injektion von Ethanol und Botulinumtoxin erläutert. Die Forschungen zu den Auswirkungen dieser Behandlung sind jedoch noch nicht abgeschlossen und ihre Anwendung ist daher experimentell.

Jedes Verfahren hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Die Auswahl der Behandlung ist abhängig von der individuellen Situation und Präferenz des Patienten.

Neue Behandlungsverfahren

Injektionen von Ethanol und Botulinumtoxin werden als alternative Behandlungsmöglichkeiten von BPE untersucht. Diese Verfahren sind bislang wenig verbreitet und befinden sich noch in der experimentellen Phase. In der Regel werden sie in klinischen Studien angewandt.

Injektion von Ethanol

Ethanol, also reiner Alkohol, wird durch die Harnröhre oder das Rektum in das Prostatagewebe injiziert. Ziel ist es, die Prostata zu verkleinern, und den Harnfluss zu verbessern.

Injektion von Botulinumtoxin

Botulinumtoxin ist unter seinem Handelsnamen Botox bekannt. Es ist eine hochgiftige Substanz, die bei kosmetischen Eingriffen verwendet wird. In BPE-Behandlungen blockiert es die Nervenenden und entspannt die glatte Muskulatur der Prostata. Botulinumtoxin verkleinert die Prostata und verbessert den Harnfluss. Es kann durch die Harnröhre, das Rektum oder das Perineum injiziert werden. Neuste Studien empfehlen dieses Verfahren nicht zur Behandlung von durch BPE verursachten LUTS.

Leben mit gutartige Prostatavergrößerung (BPE)

Mit zunehmendem Alter bekommen die meisten Männer LUTS. Für einige bedeutet dies große Unzufriedenheit und Ärger, während andere lediglich leichte Beschwerden haben.

Außerdem erlebt jeder Erkrankte dieselben Symptome auf unterschiedliche Art und Weise. Während ein Erkrankter sehr unter nächtlichem Harndrang leidet, sind andere wiederum kaum davon betroffen. Deshalb sollte die individuelle Erfahrung und die Lebensqualität nicht unterschätzt werden. Sie sind ebenso wichtig wie diagnostische Tests und Behandlungsergebnisse.

Die Lebensqualität umfasst sowohl körperliches als auch seelisches Wohlbefinden. Es ist nicht nur wichtig, sich gesund zu fühlen, sondern auch frei von dem durch BPE verursachten psychischen Druck zu sein. Es gibt viele Möglichkeiten, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Die Symptome sollten keinerlei Auswirkungen auf das private Glück, die sozialen und kulturellen Aktivitäten sowie das Sozialleben des Erkrankten haben. Sollten auch Sie sich durch die Symptome gestört fühlen, dann wenden Sie sich an Ihren Urologen, Hausarzt oder praktischen Arzt.

Auswirkung auf das Sozialleben

Die durch BPE verursachten Symptome wie zum Beispiel starker Harndrang oder häufiges Urinieren können eine negative Auswirkung auf das Sozialleben des Erkrankten haben. In manchen Fällen leiden die Erkrankten so sehr unter den Symptomen, dass sie jegliche gesellschaftliche Aktivitäten meiden. Sie fürchten eine Situation, in der sie starken Harndrang verspüren, aber keine Toilette zur Verfügung steht. Außerdem empfinden viele Erkrankte die Erfüllung der täglichen Aktivitäten als erschwert, da sie durch nächtliches Aufwachen aufgrund von Harndrang an Schlafmangel leiden.

Die gänzliche Vermeidung von gesellschaftlichen Aktivitäten scheint daher die einfachste Art und Weise darzustellen, mit dem Problem umzugehen. Dies kann aber zur kompletten Isolation des Erkrankten führen und somit zu einer Einschränkung dessen Lebensqualität. Holen Sie sich professionelle Beratung bei Ihrem Urologen, dieser wird Ihnen ebenfalls dabei helfen können, eine geeignet Behandlung der Symptome zu ermitteln.

Persönliche Beziehungen und Sexualleben

Die durch BPE verursachten Symptome können eine negative Auswirkung auf die persönlichen Beziehungen und das Sexualleben des Erkrankten haben. Wenn man nicht immer die Kontrolle über den eigenen Körper wahren kann, kann es schwierig sein, sich attraktiv und selbstsicher zu zeigen oder mit seinem Partner intim zu sein. Inkontinenz oder starker Harndrang kann peinlich sein und das Selbstvertrauen beeinträchtigen. Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung wie mangelnder Sexualantrieb oder erektile Dysfunktion kann diese Gefühle noch verstärken.

Der Umgang mit diesen Veränderungen kann sehr schwierig sein, da Sexualität für die meisten Männer ihr gesamtes Leben lang sehr wichtig ist. Einige Männer leugnen ihren Zustand oder leiden an Depressionen. Deshalb sollte die Auswirkung, die BPE auf die Lebensqualität hat, nicht unterschätzt werden.

Leben mit BPE ist nicht nur eine Herausforderung für die Erkrankten sondern auch für die Partner/Partnerinnen. Intime Beziehung sowie das tägliche Leben können betroffen sein. Partner/Partnerinnen können darunter leiden, ohne dies zu kommunizieren, daher ist es sehr wichtig, dass über die beste Möglichkeit zur Bewältigung des Zustands offen gesprochen wird.

Auch wenn es unangenehm ist, sein Sexualleben mit einem Urologen zu besprechen, stellt dies den effektivsten Weg dar, mit den eigenen Bedenken umzugehen. Gemeinsam mit der Partnerin/dem Partner und dem Urologen können die für den Erkrankten wichtigen Aspekte des Sexuallebens ermittelt und die optimale Behandlung ausgewählt werden. Es gibt viele Möglichkeiten, um die Symptome und das Sexualleben zu verbessern, was das Leben mit BPE erleichtert.

Hilfe suchen

Die Symptome des unteren Harntraktes (LUTS), vor allem, wenn diese als sehr störend empfunden werden, sind eine intime und private Angelegenheit. Viele Männer entscheiden sich dagegen, ihren Zustand zu besprechen oder einen Arzt aufzusuchen, weil sie:

  • Angst davor haben, dass sie an einer unheilbaren Krankheit leiden.;
  • eine falsche Diagnose fürchten;
  • nur erschwert Zugang zu einem Arzt haben;
  • negative Erfahrung im Krankenhaus gemacht haben;
  • Freunde oder Verwandte haben, die eine negative Erfahrung bei der Behandlung von einem ähnlichen Zustand hatten;
  • die mögliche Behandlungsoptionen nicht kennen;
  • finanzielle Probleme haben;
  • sich durch ihr Alter oder ihren Zustand isoliert fühlen.

Auch wenn diese Gründe überzeugend erscheinen, sollten sie Sie nicht daran hindern, Hilfe in Anspruch zu nehmen und Ihre Lebensqualität zu verbessern. Prostataprobleme müssen keinesfalls Ihr Leben kontrollieren.

Diese Informationen wurden im Januar 2014 aktualisiert.

Diese Broschüre ist Teil der EAU Patienteninformation. Sie bietet alle wichtigen Informationen zum Thema benigne Prostatavergrößerung. Wenn Sie spezifische Fragen zu Ihrem individuellen medizinischen Zustand haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder andere professionelle Anbieter im Gesundheitswesen.

Diese Informationen wurden von der European Association of Urology (EAU)

Die Inhalte dieser Seite entsprechen den EAU-Leitlinien.

Mitwirkende:

  • Prof. Thorsten Bach Hamburg, Deutschland
  • Prof. Alexander Bachmann Basel, Schweiz
  • Prof. Louis Denis Antwerpen, Belgien
  • Dr. Günter Feick Gehrden, Deutschland
  • Prof. Stavros Gravas Larissa, Griechenland
  • Dr. Hashim Hashim Bristol, Großbritannien
  • Prof. Rolf Muschter Rotenburg, Deutschland
  • Dr. Cosimo De Nunzio Rom, Italien
  • Herr Hans Ransdorp Bussem, Niederlande
  • Prof. Jens Rassweiler Heilbronn, Deutschland
  • Ms. Maria Russo Orbassano, Turin, Italien
  • Dr. Roman Sosnowski Warschau, Polen
  • Prof. Andrea Tubaro Rom, Italien