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Was ist muskelinvasiver Blasenkrebs?

Etwa ein Viertel der Patienten mit Blasenkrebs haben eine muskelinvasive Form, die in die Muskelschichten der Blasenwand eingewachsen ist (Stadien T2–T4). Diese Art von Krebs ist mit einem höheren Risiko verbunden, dass er sich auf andere Bereiche des Körpers ausbreitet (metastasiert) und erfordert eine andere, radikalere Behandlung. Ein muskelinvasiver Blasenkrebs endet tödlich, wenn er nicht behandelt wird.

Weitere Diagnostik

Eine Computertomografie (CT) ist besonders wichtig für die weitere Untersuchung eines muskelinvasiven Blasenkrebses. Mit einem Ganzkörper-CT, das in weniger als zehn Minuten durchgeführt wird, kann der Arzt erkennen, ob der Krebs bereits über die Blase hinaus gewachsen ist, auf umliegende Gewebe oder benachbarte Organe übergegriffen oder sich auf andere Organe ausgebreitet hat (Metastasierte Erkrankung). Durch Gabe eines intravenösen Kontrastmittels, das über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden wird, lässt sich der Harntrakt oberhalb der Blase darstellen, so dass Tumorwachstum erkennbar wird.

Vor der Behandlung ist es entscheidend herauszufinden, ob der Krebs metastasiert hat oder nicht. Zeigt die Computertomografie, dass sich der Krebs auf Ihre weichen Organe (Eingeweide), Ihre Knochen oder Lymphknoten ausgebreitet hat, kann dies die Therapieentscheidungen verändern.

Eine zusätzliche Magnetresonanztomografie (MRT) oder Knochenaufnahmen können durchgeführt werden – auch wenn dies nicht regelhaft gemacht wird. Knochen- und Hirnmetastasen treten selten zu dem Zeitpunkt auf, an dem ein muskelinvasiver Blasenkrebs erkannt wird. Deshalb wird Ihr Arzt einen Knochenscan oder eine weitere bildgebende Untersuchung des Gehirns nur in Betracht ziehen, wenn bei Ihnen spezifische Symptome auf Knochen oder Hirnmetastasen hinweisen. Unklare Befunde können auch mit einer Nadelbiopsie überprüft werden, um eine metastasierende Erkrankung zu bestätigen.

Eine Kombination von Positronenemissionstomografie (PET; verwendet einen radioaktiven Indikator) und Computertomografie (PET/CT) wird in europäischen Zentren zunehmend eingesetzt, steht aber nicht in allen Ländern überall zur Verfügung. Ein PET/CT kann die Möglichkeiten verbessern, Fernmetastasen zu entdecken. Es wird aber für das Staging von Blasentumoren nicht empfohlen, da die Ausscheidung des radioaktiven Indikators mit dem Harn das Tumorstaging sehr schwierig macht.

Prognose und Risikoabschätzung

Die Langzeitprognose von Patienten mit einem muskelinvasiven Blasenkrebs wird vom Ausmaß des Tumorwachstums (Stadium) bestimmt. Anders als bei nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs ist die vom Pathologen ermittelte Aggressivität (Grad) weniger entscheidend, da praktisch alle invasiven Tumoren High grade-Tumoren sind.

Behandlungsmöglichkeiten

Entfernung der Harnblase (Zystektomie)

Die Standardtherapie bei muskelinvasivem Blasenkrebs ist die chirurgische Entfernung der Harnblase.

Blasenschonende Verfahren

Ein blasenschonender Behandlungsansatz wird gegenwärtig nur in einem kleinen Teil der Fälle weltweit verfolgt, ist aber eine Überlegung wert. Ein Blasenerhalt lässt sich nur um den Preis mehrfacher Therapien einschließlich ihrer Nebenwirkungen erreichen. Die Entfernung des Blasentumors durch die Harnröhre (TURBT) und eine Bestrahlung kommen zum Einsatz, um zu heilen oder um den Tumor vor Ort unter Kontrolle zu bringen. Eine Chemotherapie wird eingesetzt, um Krebszellen zu behandeln, die sich bereits im Körper verbreitet haben könnten (systemische Erkrankung). Das Ziel ist, sowohl die Blase und ihre Funktion als auch die Lebensqualität zu erhalten, ohne die Krebsbehandlung zu beeinträchtigen.

Studien an ausgewählten Patientenkollektiven haben gute Ergebnisse für blasenschonende Verfahren gezeigt, doch bei etwa einem Drittel der Patienten versagt die blasenschonende Behandlung und die Blase muss doch entfernt werden.

Transurethrale Resektion von Blasentumoren

Wenn Sie sich nicht einer ausgedehnten Operation unterziehen können, ist eine TURBT möglich, sofern der Tumor nur die innere Muskelschicht der Harnblase befallen hat. Die Risiken für ein Wiederauftreten und Voranschreiten des Tumors sind aber so groß, dass diese Behandlung allein nicht als gute Option zur langfristigen Kontrolle der Krankheit in Frage kommt.

Chemoradiotherapie

Eine Strahlentherapie in Kombination mit einer die Strahlenempfindlichkeit erhöhenden Chemotherapie ist eine angemessene Alternative für Patienten, die eine Blasenentfernung ablehnen oder die für diese Operation nicht infrage kommen. Bei der Einschätzung dieses Behandlungsansatzes werden der Allgemeinzustand des Patienten (Lebenserwartung), die Nierenfunktion, vorangegangene Strahlentherapien und Bauchoperationen sowie andere Krebserkrankungen in der Vorgeschichte betrachtet. Vor einer Entscheidung über diese Behandlung ist die Konsultation eines Strahlentherapeuten empfehlenswert.

Strahlentherapie

Eine Strahlentherapie ist eine Option zum Blasenerhalt bei Patienten, die für eine Operation nicht infrage kommen oder die eine Operation ablehnen. Die Ergebnisse einer alleinigen Strahlentherapie sind schlechter als die einer kompletten Blasenentfernung, aber in Kombination mit einer Chemotherapie (Chemoradiotherapie) lassen sich akzeptable Ergebnisse erreichen. Zu den Nebenwirkungen gehören milde bis starke Reizungen der Blase und der Verdauungsorgane, sowie Inkontinenz, ein erhöhtes Infektionsrisiko und Fisteln (krankhafte Verbindungen zwischen Organen).

Chemotherapie

Eine isolierte Chemotherapie verspricht nur begrenzten Erfolg und wird als alleinige Therapie nicht empfohlen.

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